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Aktuelles
08.09.2021
20. Todestag von Achidi John

Pressemitteilung Initiative zum Gedenken an Achidi John

Achidi John wurde, mit auf dem Rücken gefesselten Händen, auf dem Rücken liegend, von insgesamt fünf Polizisten fixiert, die seine Beine festhielten, seinen Oberkörper zu Boden und seinen Kopf zur Brust hin drückten.
Nach mehreren Versuchen gelang es der handelnden Rechtsmedizinerin trotz seines Widerstandes, ihm eine Magensonde durch die Nase einzuführen und ihm 30 ml des Brechsirups Ipecacuanha sowie 800 ml Wasser einzuflößen.
Infolge dieser Tortur fiel der junge Mann ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte, bis am 12.12.2001 die intensivmedizinische Behandlung abgebrochen wurde.

530 Menschen, fast ausschließlich Schwarze junge Männer, wurden zwischen 2001 und 2006 von der Polizei dem Institut für Rechtsmedizin (IfR) am Universitätsklinikum Eppendorf zugeführt und mit der zwangsweisen Einflößung des Brechmittels bedroht bzw. malträtiert. Trotz vielfältiger Kritik, unter anderem des Deutschen Ärztetages, wurde diese Praxis nach dem Tod Achidi Johns ohne Unterbrechung fortgeführt.

Im Jahr 2006 entschied der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, dass die erzwungene Vergabe von Brechmitteln gegen das Folterverbot des Artikels 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt.
Erst danach wurde die zwangsweise Brechmittelvergabe in Hamburg eingestellt.
Für den Tod Achidi Johns und die jahrelangen Menschenrechtsverletzungen ist bis heute keine der verantwortlichen Personen aus Politik, Justiz, Polizei oder Ärzteschaft in Hamburg zur Verantwortung gezogen worden.
Anders als in Bremen, wo sich die Bürgerschaft öffentlich bei den Hinterbliebenen des am 7.1.2005 infolge einer Brechmittelvergabe verstorbenen Laye-Alama Condé und den anderen Opfern entschuldigt hat und sich für einen Gedenkort einsetzt, hat in Hamburg niemand Verantwortung übernommen.

Wir, die Initiative zum Gedenken an Achidi John, haben anlässlich seines bevorstehenden 20. Todestages dem Vorstand des Universitätsklinikums Eppendorf geschrieben und ihn unter anderem gefragt, wie er heute zu der damaligen menschenrechtswidrigen Praxis am Institut für Rechtsmedizin steht, und ob zumindest eine medizin-ethische Aufarbeitung am UKE stattgefunden habe.
Die Antwort des UKE in einem Schreiben vom 12.8.2021 ist keine.
Das UKE verweist darin lediglich auf Bürgerschaftsdrucksachen, aus denen inhaltlich lediglich die Haltung des Hamburger Senats und die damalige, hinlänglich bekannte Meinung des früheren Leiters des IfR, Klaus Püschel, hervorgeht, wonach Brechmittelvergaben unbedenklich seien.

„In den Räumen des Instituts für Rechtsmedizin ist gefoltert worden“, so der Sprecher der Initiative zum Gedenken an Achidi John, Daniel Manwire. „Die Ärzt*innen des IfR tragen eine besondere Verantwortung für die massenhafte unmenschliche Behandlung der Betroffenen. Sie hätten sich weigern können - weigern müssen - dabei mitzumachen. Das UKE muss Stellung beziehen und Sorge dafür tragen, dass sich die Ärzt*innen nicht erneut als willige Helfer*innen menschenrechtswidriger Strafverfolgungsmaßnahmen zur Verfügung stellen!“
Die Initiative fordert, dass sich das UKE als verantwortliche Institution bei den Hinterbliebenen Achidi Johns und den anderen Opfern der „Brechmitteleinsätze“ entschuldigt und dass es auf dem Gelände des UKE einen Ort würdigen Gedenkens an diese Menschen schafft.

Initiative zum Gedenken an Achidi John

Ansprechpartner für die Medien:
E-Mail: initiative_achidijohn@systemli.org


PM 08.09.2021 von der Initiative zum Gedenken an Achidi John
Schreiben an das UKE
Anlagen zur Antwort des UKE vom 12.8.2021
Antwort vom UKE am 12.08.2021


Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

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