<< zurück

|
Aktuelles
03.06.2011
Fluchtwege öffnen, Libyen-Flüchtlinge aufnehmen!
appell: voices from choucha
|
"Wir wollen hier weg! Europa muss helfen!"
Die Forderungen auf den
Pappschildern der Flüchtlinge und MigrantInnen an der tunesisch-libyschen Grenze sind eindeutig –
und zwingend: 5.000 Menschen warten seit
Wochen und Monaten unter unerträglichen Bedingungen in dem Lager des
UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) in Choucha.
Sie alle konnten dem eskalierenden Bürgerkrieg in Libyen entkommen.
Viele waren dort als ArbeitsmigrantInnen beschäftigt, andere hatten Zuflucht
vor den Kriegs- und Krisenzonen im subsaharischen Afrika gesucht. Überlebende von gekenterten Flüchtlingsbooten begegnen in Choucha denjenigen,
die sich aus Verzweiflung und allen Gefahren zum Trotz wieder Richtung libyscher Grenze auf den Weg machen, um die gefährliche Überfahrt nach Europa
zu wagen. Als vier Flüchtlinge aus Eritrea am 21.5.2011 bei einem Feuer in der
improvisierten Zeltstadt sterben, kam es zu spontanen Protesten und Straßenblockaden. Das tunesische Militär reagierte mit Tränengas, Anwohner überfielen das Lager. Mindestens zwei Flüchtlinge wurden erschlagen, viele trugen
schwere Verletzungen davon.
Die Flüchtlinge in Choucha hofften und hoffen auf Hilfe und Unterstützung
durch den UNHCR, der in den letzten Wochen u.a. die europäischen Staaten
mehrfach um die Aufnahme von zumindest 6.000 Flüchtlingen aus Libyen
gebeten hatte. Vergeblich. Vielmehr wird die europäische Grenzschutzagentur
Frontex verstärkt in Stellung gebracht und die neuen demokratischen Regierungen in Nordafrika werden mit Geldangeboten gelockt, damit sie auch in
Zukunft die Wachhunde vor Europas Grenzen bleiben.
Die Situation in Choucha muss im Kontext der Vorverlagerung des europäischen Grenzregimes nach Nordafrika gesehen werden. In der Abwehr von
Flüchtlingen und Migrantinnen haben die europäischen Staaten jahrelang
schamlos mit den Despoten des Maghreb zusammengearbeitet, insbesondere
mit Ben Ali in Tunesien und Gaddafi in Libyen. Nun wird zwar der demokratische Wandel begrüßt, aber all jenen die Hilfe verweigert, die in den tunesischen Flüchtlingslagern strandeten und für die es kein Zurück mehr gibt.
Die Stimmen von Choucha stehen für das verzweifelte Aufbegehren gegen
eine Politik der flagranten Menschenrechtsverletzungen, wie sie sich tagtäglich
an vielen Brennpunkten der europäischen Außengrenzen abspielen. Ein Bruch
mit dieser Politik ist notwendig, um das Sterben auf See und in der Wüste zu
beenden. Die Demokratiebewegungen in Nordafrika bieten die Chance für
einen Neuanfang. Statt tödlicher Ausgrenzung und grotesker Bedrohungsszenarien muss Offenheit und Solidarität die Zukunft des mediterranen Raumes prä-
gen. Es braucht Brücken statt Mauern für ein neues afrikanisch-europäisches
Verhältnis, damit Europa ein Raum wirklicher Freiheit, allgemeiner Sicherheit
und der gleichen Rechte für Alle wird.
...Die Aufnahme von Flüchtlingen aus Choucha in Europa würde in diesem Sinne ein erstes, nicht nur symbolisches Zeichen setzen. Wir
fordern daher die politisch Verantwortlichen auf europäischer Ebene, in Bund, Ländern und Gemeinden auf:
Soforthilfemaßnahmen zur Flüchtlingsaufnahme zu ergreifen und
die Flüchtlinge aus Choucha und den anderen vorübergehenden
Flüchtlingslagern in Europa aufzunehmen.
Humanitäre Unterstützung jener Subsahara-MigrantInnen zu leisten,
welche bereits aus Libyen bzw. Tunesien ausgeflogen wurden. Z.B.
sind allein in Mali seit Beginn des Libyen-Kriegs über 10.000 Flüchtlinge angekommen.
Die bisherige Abschottungspolitik an den Außengrenzen zugunsten
einer humanen und freizügigen Asyl- und Einwanderungspolitik aufzugeben, die im Einklang mit den Rechten von Flüchtlingen und MigrantInnen steht.
Die demokratischen Aufbrüche in Nordafrika ernsthaft zu unterstützen und sie als eine Chance zu einer veränderten Nachbarschaftspolitik zu begreifen.
Unterzeichner (Stand 31. Mai 2011):
Pro Asyl, medico international, Borderline Europe, Afrique-Europe-Interact, Welcome to Europe
Unterschriftenaktion
http://www.medico.de/themen/menschenrechte/migration/dokumente/choucha-appell/4021/
Video
VIDEO-BERICHT VOM FLÜCHTLINGSLAGER IN CHOUCHA AN DER TUNESISCH-LYBISCHEN GRENZE (24.05.2011)
Web
www.afrique-europe-interact.net
www.w2eu.net
http://www.afrique-europe-interact.net/files/voices_from_choucha_layout_1-1
Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490
info@fluechtlingsrat-hamburg.de
|
<< zurück

|
nach oben |