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Abschiebungen
13.09.2004 Protest gegen erste von Hamburg organisierte EU-Sammelabschiebung nach Afrika
Charterflug mit 17 Flüchtlingen startet von Fuhlsbüttel nach Afrika
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Abschiebungen
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Protest gegen erste von Hamburg organisierte EU-Sammelabschiebung nach Afrika
Heute morgen ab 7.30 Uhr protestierten ca. 30 Menschen in der Abflughalle des Hamburger
Flughafens
Fuhlsbüttel gegen die erste von Hamburger Behörden organisierte EU-Sammelabschiebung nach Afrika.
Mit Transparenten, Reden, Sprechchören, einem Theaterstück und Flugblättern
wurden die Passagiere und das Flughafenpersonal informiert, auf die menschenrechtswidrige
Abschiebeaktion hingewiesen und zum Protest aufgefordert (siehe Text unten).
Ab 8.30 Uhr wurde auf einem von der Aussichtsterrasse einsehbaren Teil
des Flughafens ein Charterflugzeug der Linie AERO FLIGHT mit den abzuschiebenden
(laut Pressemeldungen ca. 45) Flüchtlingen "beladen". Zubringerflugzeug war eine
Maschine von Lions Air. Pünktlich um 9 Uhr fuhr die AERO FLIGHT-Maschine aufs Rollfeld, wo sie um 9.10 Uhr abhob - wie aus Journalistenkreisen zu erfahren war, flog sie zunächst nach Coutounou / Benin. Wahrscheinlich geht es von dort weiter nach Togo (siehe gestrige Meldung über 16 togoische Flüchtlinge, die schon in Lomé erwartet werden). Ein Flüchtling aus Burkina Faso, der auch für den Flug vorgesehen war und dessen Anwalt erst am Freitag von dem Flugtermin erfuhr, wurde nach einem OVG-Beschluss am selben Tag freigelassen.
Die in Erwartung eines Nachtflugs vorgesehene Aktion heute abend um 19.30 Uhr
am Hamburger Flughafen fällt angesichts dieser Entwicklung aus. Wir werden aber
weiter gegen die menschenrechtswidrige Abschiebepolitik und für ein Bleiberecht
aller Flüchtlinge in Hamburg, Deutschland und der EU kämpfen.
Bitte gebt uns Rückmeldung, falls Ihr weitere Informationen, z.B. über betroffene
Flüchtlinge, Probleme/Widerstand während der Abschiebung, Ziel- und Herkunftsländer habt!
Flüchtlingsrat Hamburg
Protestaktion gegen die geplante europäische Sammelabschiebung
Montag, den 13.9.´04, 7.30h, Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel, Terminal IV
Ende August ´04 war Medienberichten zu entnehmen, dass die Hamburger Innenbehörde im Laufe des
September ´04 die Koordination für eine Sammelabschiebung von 40 Flüchtlingen aus verschiedenen
europäischen Staaten übernehmen soll. Aus zuverlässiger Quelle erfuhren wir, dass dieser erste
Abschiebecharter unter Verantwortung der Hamburger Innenbehörde vermutlich für Montag, den
13.9.´04, in der Frühe so gegen 9 Uhr geplant ist. Deswegen rufen wir zu einer Protestaktion
direkt am Flughafen auf.
Acht der betroffenen Personen kommen aus Hamburg, die übrigen aus anderen Bundesländern
oder dem europäischen Ausland. Diese Sammelabschiebungen per Charterflug sind für die nächsten
Jahre von der Europäischen Union (EU) im großen Umfang geplant und sollen u.a. über den
Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel realisiert werden. Damit diese erste Sammelabschiebung unter
der Ägide der Hamburger Innenbehörde - nach einer "Generalprobe" zusammen mit den Niederlanden
in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai ´04 - reibungslos abläuft, wird der Flughafen vorübergehend
in den Ausnahmezustand versetzt: "Die Sicherheitsmaßnahmen sind hoch: So wird die Maschine an
einer abgelegenen Position stehen, die Transporter fahren direkt bis in die Gangway. Das Areal
selbst, ohnehin schon im gesicherten Flughafenbereich, wird zusätzlich abgesperrt, um eine
Flucht zu vermeiden" (die Welt, 31.8.´04).
Notwendig sei diese Maßnahme, so erfahren wir aus der Welt vom 31.8.´04, weil die
"abzuschiebenden Personen als "Problemfälle" gelten. Deshalb, so die Welt weiter, müssten die
40 betroffenen Flüchtlinge von etwa drei Mal so viel "BGS-Beamten als begleitendes
Sicherheitspersonal" eskortiert werden. Damit die Maßnahme auch ein Erfolg wird, soll
im Vorfeld das geltende Recht außer Kraft gesetzt werden: Die betroffenen Personen sind
z.T. bereits im Abschiebegefängnis inhaftiert. Damit ihnen keine Zeit zu Protesten oder
Gesprächen mit ihren Anwälten bleibt, werden sie erst unmittelbar vor dem Abflug aus der
Haftanstalt abgeholt, bekommen "neu Kleidung" und werden ins Flugzeug verfrachtet.
Mit unbelegten Aussagen, die Betroffenen seien "kriminell" oder "renitent", soll
der Eindruck erweckt werden, dass die zu erwartende gewalttätige und brutale Behandlung
der betroffenen Flüchtlinge durch die staatlichen Organe rechtmäßig und notwendig sei.
Ansonsten sind die Hamburger Behörden bisher nicht bereit, mehr Informationen zu geben:
Weder welche Länder an der Abschiebung beteiligt sind, noch in welche Staaten die Menschen
abgeschobenen werden sollen. Als "kriminell und renitent" werden unserer Erfahrung nach jene
Menschen bezeichnet, die sich aus Todesangst gegen die Abschiebung wehren oder versuchen,
sich umzubringen. Als "Problemfälle" gelten mittlerweile alle Menschen, die aus ihren
Herkunftsländern fliehen mussten und in Europa Schutz suchen. Dies wird belegt durch die
alltägliche Abschiebepraxis, die das Zerstören von Familien und die Abschiebung von Kindern
und Jugendlichen ohne ihre Eltern mit einschließt.
Der geplante Charterflug nach Afrika kostet laut Welt etwa 140.000 €, die Kosten
werden auf die beteiligten Staaten aufgeteilt. Außerdem stellt die EU finanzielle Mittel
für diese Maßnahmen zur Verfügung. Wie der niederländische Minister für Ausländerangelegenheiten
und Integration, Verdonk, im Mai dieses Jahres mitteilte, hat die Europäische Kommission am
22. Januar´04 30 Mio. € für "gemeinsame Abschiebungen im EU-Verbund" für 2005 und 2006 bereit
gestellt. Dieses Geld sei u.a. bestimmt für die logistische Vorbereitung von gemeinsamen
Abschiebungen und für die Flüge selbst, so Verdonk.
Der Flüchtlingsrat Hamburg fordert:
das sofortige Aussetzen der geplanten Sammelabschiebung
die Offenlegung aller Informationen bezüglich der geplanten Maßnahmen
dass die von der EU zur Verfügung gestellten 30 Mio. € statt für kostspielige und
aufwändige Abschiebungen dafür verwendet werden, den Flüchtlingen ein menschenwürdiges
Dasein in den europäischen Staaten zu ermöglichen!
Keine Festung Europa!
Dauerhaft gesichertes Bleiberecht für alle Flüchtlinge!
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