Nachdem Deportationen mittels Linienflugzeugen in den letzten Jahren immer
wieder thematisiert und in einzelnen Fällen verhindert wurden, haben die
EU-Staaten nun begonnen, ihre Deportationen gemeinsam durchzuführen und
"effizienter" zu gestalten. In Zukunft sollen mehr und mehr Leute mittels
gemeinsamer Charterflugzeuge außer Landes geschafft werden.
Es wurde auch schon eine neue Bezeichnung kreiert: "Asylum Airways" werden jene
Flüge genannt, bei denen in gecharterte Flugzeuge von Hauptstadt zu Hauptstadt
fliegen sollen um illegalisierte MigrantInnen aufzusammeln. Ziel sollen vor
allem Länder sein, in die es nur wenige direkte Flüge gibt. Weiters würde die
gemeinsame Abwicklung es jenen Staaten vereinfachen, die schlechtere
Beziehungen mit dem jeweiligen Zielland haben. So habe zum Beispiel Italien
bessere Beziehungen zu Somalia als Großbritannien.
Die Initiative zu den Sammeldeportationen ging von den sog. G5-Staaten aus. Die
InnenministerInnen der fünf größten europäischen Staaten (Frankreich,
Deutschland, Italien, Spanien, England) beschlossen am 5. Juli 2005 in Evian
(Haute-Savoie), Abschiebungen in Zukunft verstärkt gemeinsam zu planen und
durchzuführen.
Die Flughäfen in London und Paris waren am Dienstag, 26. Juli 2005 Schauplatz
der ersten dieser gemeinsamen Sammeldeportation mit den "Asylum Airways" nach
Afghanistan. In französisch-britischer Zusammenarbeit wurden 40 Leute, denen
Asyl verweigert wurde, mit einem gecharterten Maschine der "Blue Line" nach
Afghanistan befördert.
Auf no-racism.net finden sich drei Texte, die diese "neue" Form der Deportation
thematisieren. Dabei wird klar, dass die Praxis, Leute mittels Charterflügen
außer Landes zu schaffen, so neu nicht ist. In den letzten Jahren wurden
10.000e Menschen mittels gecharterter Flugzeuge in ihre vermeintlichen
Herkunftsländer befördert.
Oft waren Leute davon betroffen, die sich bereits ein oder mehrmals erfolgreich
gegen eine Abschiebung mittels Linienflugzeug gewehrt hatten.
Charterabschiebungen dienen - wie Aussagen verantwortlicher PolitikerInnen
bekräftigen - auch dazu, den Widerstand der Flüchtlinge und MigrantInnen zu
brechen. Begleitet werden die Sammeldeportationen von einem massiven
Polizeiaufgebot und meist einem/r ÄrztIn. Die Behörden der einzelnen Länder
arbeiten dabei zusammen.
Die EU wird sich die gemeinsamen Sammeldeportationen einiges kosten lassen. Im
Jänner 2004 wurde am EU-Gipfel in Dublin ein Budget von 30 Millionen Euro für
die Jahre 2005 und 2006 beschlossen. Als Argument wird auch angeführt, dass
Sammeldeportationen billiger seien als jene mit Linienflugzeugen.
Für eine bereits am 13. September 2004 durchgeführte europaweit koordinierte
Sammelabschiebung nach Coutounou (Benin) und Togo, an der sich Behörden aus
Deutschland, Belgiens und der Schweiz beteiligten, bezahlte die Hamburger
Innenbehörde dem erst vor kurzem gegründeten und vor allem im Charterbusiness
tätigem Unternehmen Aero Flight sage und schreibe 140.000 Euro!
no borders - no nations
stop all deportations
http://no-racism.net
Informationen über Deportationen mit gecharterten Flugzeugen und zahlreiche
weiterführende Links finden sich in folgenden Beiträgen:
charter deportation class über stattgefundene Charterabschiebungen, dabei involvierte Firmen und Proteste dagegen
http://no-racism.net/article/1321
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